{"id":15791,"date":"2025-06-18T20:40:45","date_gmt":"2025-06-18T18:40:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.le-journal-catalan.com\/de\/weniger-touristisch-als-weimar-beherbergen-46-400-gothaer-deutschlands-geheimste-schloss-kasematten-seit-1643\/"},"modified":"2025-06-18T20:40:45","modified_gmt":"2025-06-18T18:40:45","slug":"weniger-touristisch-als-weimar-beherbergen-46-400-gothaer-deutschlands-geheimste-schloss-kasematten-seit-1643","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.le-journal-catalan.com\/de\/weniger-touristisch-als-weimar-beherbergen-46-400-gothaer-deutschlands-geheimste-schloss-kasematten-seit-1643\/","title":{"rendered":"Weniger touristisch als Weimar beherbergen 46.400 Gothaer Deutschlands geheimste Schloss-Kasematten seit 1643"},"content":{"rendered":"<p>Die unterirdischen G\u00e4nge von Schloss Friedenstein sind k\u00fchl und feucht, als ich an diesem Junimorgen mit meiner Taschenlampe hinabsteige. W\u00e4hrend <strong>46.400 Einwohner<\/strong> \u00fcber mir ihrem Alltag nachgehen, entdecke ich hier unten ein verborgenes Labyrinth \u2013 Gothas bestgeh\u00fctetes Geheimnis. Die Stadt liegt genau <strong>20 Kilometer westlich<\/strong> von Erfurt in Th\u00fcringens Herzen, aber anders als die ber\u00fchmten Nachbarst\u00e4dte Weimar und Eisenach bleibt dieser barocke Schatz selbst vielen Deutschen unbekannt.<\/p>\n<p>Gotha ist ein Paradox: ein monumentales Schloss mit <strong>365 Zimmern<\/strong> \u2013 eines f\u00fcr jeden Tag des Jahres \u2013 in einer bescheidenen Mittelstadt. Zwischen meinen Fingern zerbr\u00f6selt der jahrhundertealte M\u00f6rtel der Kasematten, jener geheimnisvollen unterirdischen Gew\u00f6lbe, die einst die Herz\u00f6ge von Sachsen-Gotha-Altenburg nutzten.<\/p>\n<h2>Das unterirdische Labyrinth: 46.400 Gothaer bewahren ein k\u00f6nigliches Geheimnis<\/h2>\n<p>&#8222;Folgen Sie dem Gang, aber vorsichtig&#8220;, warnt mich der Schlossf\u00fchrer. Ich bin erst der <strong>dritte Besucher<\/strong> diese Woche in diesen Katakomben \u2013 ein krasser Gegensatz zu den \u00fcberf\u00fcllten G\u00e4ngen von Schloss Sanssouci. Die unterirdischen G\u00e4nge erstrecken sich <strong>mehrere Kilometer<\/strong> unter der Stadt und verbinden einst strategische Punkte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend <a href=\"https:\/\/www.le-journal-catalan.com\/de\/weniger-touristisch-als-rothenburg-beherbergen-27-863-naumburger-deutschlands-schoenste-stifterfiguren-seit-1250\/\">Naumburger f\u00fcr seine weltber\u00fchmten Stifterfiguren bekannt ist<\/a>, verbirgt Gotha sein Erbe im Untergrund. Der Legende nach versteckte die herzogliche Familie hier unten w\u00e4hrend der napoleonischen Kriege einen <strong>immensen Schatz<\/strong>, der bis heute nicht gefunden wurde.<\/p>\n<p>Schloss Friedenstein selbst ist beeindruckend \u2013 der <strong>fr\u00fcheste barocke Schlossbau<\/strong> Deutschlands, errichtet 1643-1654. Doch w\u00e4hrend j\u00e4hrlich nur etwa <strong>100.000 Besucher<\/strong> kommen, dr\u00e4ngen sich in Weimar die Massen. Sarah, meine Frau, fotografiert die kunstvollen Stuckarbeiten im Spiegelsaal, w\u00e4hrend ich mehr \u00fcber die Kasematten erfahre.<\/p>\n<h2>Das &#8222;vergessene Versailles&#8220;: Warum Gotha im Schatten Weimars verblasst<\/h2>\n<p>Oberhalb der unterirdischen G\u00e4nge erstreckt sich ein <strong>69,58 Quadratkilometer<\/strong> gro\u00dfes Stadtgebiet, in dem <strong>\u00fcber 30%<\/strong> der Altstadt unter Denkmalschutz stehen. So wie <a href=\"https:\/\/www.le-journal-catalan.com\/de\/weniger-touristisch-als-die-toskana-uebertrifft-dieser-4090-einwohner-ort-mit-20-weinguetern-alle-erwartungen\/\">Durbach sich auf Weinkultur spezialisiert hat<\/a>, machte Gotha sich mit Kartografie und dem Versicherungswesen einen Namen.<\/p>\n<p>Im Deutschen Versicherungsmuseum entdecke ich, dass hier <strong>1820<\/strong> Europas \u00e4lteste noch existierende Versicherung gegr\u00fcndet wurde. Im Justus-Perthes-Verlag entstanden ab <strong>1785<\/strong> weltber\u00fchmte Atlanten. Doch trotz dieser Superlative bleibt Gotha im Tourismus-Ranking weit hinter Weimar zur\u00fcck.<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Wir kommen seit Jahren hierher, gerade weil es so ruhig ist. Man kann das Schloss genie\u00dfen, ohne Selfie-Sticks umgehen zu m\u00fcssen. Es f\u00fchlt sich an, als h\u00e4tte man ein ganzes Barockschloss f\u00fcr sich allein.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Dieses Gef\u00fchl best\u00e4tigt sich, als ich den Schlosspark betrete \u2013 <strong>17 Hektar<\/strong> barocke Gartenkunst mit nur einer Handvoll Besucher. Anders als im kleinen <a href=\"https:\/\/www.le-journal-catalan.com\/de\/dieses-fraenkische-dorf-von-1-478-einwohnern-beherbergt-ueberraschende-120-gaestebetten-seit-1585\/\">Sommerach mit seinen gem\u00fctlichen Weing\u00fctern<\/a> finde ich in Gotha historische Unterk\u00fcnfte im Schatten des Schlosses, wo Zimmer f\u00fcr \u00fcberraschend <strong>moderate 75-95 Euro<\/strong> zu haben sind.<\/p>\n<h2>Was die Reisef\u00fchrer Ihnen nicht erz\u00e4hlen<\/h2>\n<p>Der beste Zugang zu den Kasematten erfolgt \u00fcber eine <strong>spezielle F\u00fchrung<\/strong>, die nur <strong>zweimal w\u00f6chentlich<\/strong> stattfindet \u2013 dienstags und samstags um <strong>14:00 Uhr<\/strong>. Reservieren Sie unbedingt vorab, da maximal <strong>12 Personen<\/strong> teilnehmen k\u00f6nnen. Die unterirdischen G\u00e4nge sind teilweise eng und feucht \u2013 bringen Sie festes Schuhwerk und eine leichte Jacke mit.<\/p>\n<p>Vom Hauptbahnhof erreichen Sie das Schloss in <strong>15 Gehminuten<\/strong> bergauf. Oder nutzen Sie den Stadtbus Linie <strong>B<\/strong> bis zur Haltestelle &#8222;Schloss&#8220;. Parken k\u00f6nnen Sie <strong>kostenlos<\/strong> am Schlosspark, von wo aus es nur <strong>5 Minuten<\/strong> zu Fu\u00df zum Eingang sind.<\/p>\n<p>Mein Geheimtipp: Besuchen Sie Gotha an einem Wochentag au\u00dferhalb der Ferienzeiten. Im Sommerrestaurant &#8222;Pagenhaus&#8220; genie\u00dfen Sie dann einen <strong>perfekten Blick<\/strong> auf das Schloss ohne Warteschlangen \u2013 bestellen Sie den Th\u00fcringer Rostbraten mit Kl\u00f6\u00dfen f\u00fcr authentischen Geschmack.<\/p>\n<p>Als ich die Kasematten verlasse und ins Sonnenlicht trete, denke ich an all die St\u00e4dte, die ich bereist habe. Emma, meine Tochter, w\u00fcrde die Geschichte vom verschwundenen Herzogschatz lieben. Gotha ist wie ein gut geh\u00fctetes Familiengeheimnis \u2013 jeder kennt den ber\u00fchmten Cousin Weimar, aber nur wenige Eingeweihte wissen vom stillen, geheimnisvollen Verwandten. W\u00e4hrend ich durch die leeren Galerien des Herzoglichen Museums schlendere, bin ich dankbar f\u00fcr diese seltene Authentizit\u00e4t \u2013 ein k\u00f6nigliches Erlebnis ohne k\u00f6nigliche Menschenmassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die unterirdischen G\u00e4nge von Schloss Friedenstein sind k\u00fchl und feucht, als ich an diesem Junimorgen mit meiner Taschenlampe hinabsteige. W\u00e4hrend 46.400 Einwohner \u00fcber mir ihrem Alltag nachgehen, entdecke ich hier unten ein verborgenes Labyrinth \u2013 Gothas bestgeh\u00fctetes Geheimnis. Die Stadt liegt genau 20 Kilometer westlich von Erfurt in Th\u00fcringens Herzen, aber anders als die ber\u00fchmten &#8230; <a title=\"Weniger touristisch als Weimar beherbergen 46.400 Gothaer Deutschlands geheimste Schloss-Kasematten seit 1643\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/www.le-journal-catalan.com\/de\/weniger-touristisch-als-weimar-beherbergen-46-400-gothaer-deutschlands-geheimste-schloss-kasematten-seit-1643\/\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Weniger touristisch als Weimar beherbergen 46.400 Gothaer Deutschlands geheimste Schloss-Kasematten seit 1643\">Lire plus<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":15790,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-15791","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-reisen"],"acf":[],"_yoast_wpseo_primary_category":null,"_yoast_wpseo_title":null,"_yoast_wpseo_metadesc":null,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.le-journal-catalan.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15791","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.le-journal-catalan.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.le-journal-catalan.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.le-journal-catalan.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.le-journal-catalan.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15791"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.le-journal-catalan.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15791\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.le-journal-catalan.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15790"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.le-journal-catalan.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15791"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.le-journal-catalan.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15791"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.le-journal-catalan.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15791"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}